Nina & Stefan auf Reisen 2013 : Mount Kinabalu

Mount Kinabalu



Liebe Leser,

was für eine Anspannung: beim Frühstück zurück im hübschen Restaurant war sie förmlich greifbar... Alle schienen das reichhaltige Buffet nach besonders nahhaften Dingen zu sondieren, um den Aufstieg möglichst gut gestärkt und gesund beginnen zu können. Wir jedoch konnten uns nur zum Teil zusammenreißen und griffen, neben all den gesunden Dingen, auch zu dem ein oder anderen Pfannkuchen mit süßem Sirup, nach all den traditionellen sowie Toast-Frühstücken war die Versuchung einfach doch zu groß... ;-)

Um kurz nach acht aber rissen wir uns vom Buffet los und machten uns auf den Weg zum Guide Center, an dem wir schon vor dem Frühstück kurz Halt gemacht hatten, um sicherzustellen, dass wir auch wirklich um acht Uhr einen Guide ablaufbereit zur Seite gestellt bekamen. Wir wunderten uns noch kurz, warum die ganzen Chinesen ihr Gepäck wiegen ließen und fragten, ob wir dies auch tun müssten, doch die Antwort schreckte uns ganz schön ab: nur, falls wir wollten, dass unser Gepäck für uns nach oben getragen werde. Also: nein, wir wollten unser Gepäck ganz sicher nicht wiegen lassen, denn erstens waren wir entschlossen, mit unserem Gepäck gemeinsam oben anzukommen und zweitens wollten wir auch lieber gar nicht so genau wissen, wie viele Kilogramm jeder von uns da so auf dem Rücken hatte. Vor allem Stefans Photoausrüstung und das Schaf in Ninas Rucksack machten uns ganz schön zu schaffen... ;-)


Nach einem super kurzen Briefing (erst hooooooch, dann die gemachten Höhenmeter alle wieder 'ruuuuuunter, dann wieder alle hoch, dann nach sechs Kilometern an der Wegeinmündung weiter nach oben, bloß NICHT nach unten, denn der Weg hinunter führe zum Kinabalu Park, sei aber vor 'nem Monat 'nem Mann passiert, also ab da immer nur noch hooooooooooch, bis Laban Rata, der Schlafstelle, und dann morgens wieder nur hoooooooch und dann den ganzen Weg zurück 'ruuuuuunter. Hört auf den Guide und lasst die Träger durch!) durften wir auch tatsächlich als erste durch das bis dahin noch verschlossene winzige Tor mit der Aufschrift "summit trail" laufen. :-) Das ganze Wiegen und laute Geschnatter der Chinesen stoppte glatt für einen Augenblick und auch alle anderen Menschen auf dem winzigen Platz vor dem doch recht unscheinbaren Tor wünschten uns noch "good luck", während Nina, gefolgt von Stefan, die erste war, die den Weg zum Gipfel betrat, der natürlich auch sofort steil bergauf führte: "Vielleicht hätten wir gestern doch nicht so viel wandern sollen, meine Beine fühlen sich ganz müde an", war auch gleich der erste Satz, der nach circa 50 Metern aus ihrem Mund kam. "Na toll, das kann ja heiter werden", dachte sich Stefan, sagte jedoch: "Denk' d'ran, alle Höhenmeter, die du jetzt machst, sind umsonst, die und noch ein paar mehr musst du heute noch 'mal machen!" und hörte ein zaghaftes Stöhnen von oben als Antwort... ;-)


Und hoch ging es... Weiter und weiter und weiter, immer weiter nach oben. Nach der ersten halben Stunde endlich das erleichternde Aufblitzen des 500-Meter-Schildes und von da an lief alles irgendwie mental leichter: Nina wusste ja jetzt, wie die Schilder aussahen, nach denen sie Ausschau halten würde, und bis zum Ziel streichelte sie jedes Einzelne von ihnen ganz zärtlich über die magischen Zahlen. Und Stefan wunderte sich, dass für den Rest des Tages tatsächlich gar keine Beschwerden mehr kamen! :-) Nach einer Weile ging es dann wirklich die ganzen Höhenmeter, die wir zuvor erklommen hatten, alle wieder herunter und wir spürten auch gleich unsere Knie, was uns ein bisschen Angst für den Rückweg machte, aber nicht weiter beeinflusste. Während Nina sich ganz auf den Weg konzentrierte, hatte Stefan mehr Interesse am Wegesrand, denn dort fand er alle möglichen interessanten Pflanzen, manche mit wunderschönen Blüten, andere mit eigenartig geformten Blättern, die Vegetation schien ständig zu wechseln, genauso wie die Beschaffenheit des Weges selbst: manchmal gab es steile Holztreppen mit schmalen Stufen, die aber wenigstens in einem sehr regelmäßigen und gut zu erlaufenden Abstand zu einander angebracht waren, sodass man recht schnell viele Höhenmeter machen konnte, ohne sich auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren zu müssen. Manchmal bestand der Weg aber auch aus großen Steinbrocken, über die man hinwegklettern musste, natürlich auch recht steil bergauf. Manchmal bestand der Weg auch aus lang gezogenen Treppenstufen, die mit recht losem Geröll bedeckt waren und manchmal, aber leider recht selten, bestand der Weg auch einfach nur aus einem Baumwurzelgeflecht, was uns immer noch am besten gefallen hat, weil es am leichtesten zu erklimmen war.


Die Tendenz war aber klar, wie auch immer der Weg beschaffen war: es ging hoch... Und nach Ninas Plan sollte es auch gar nicht mehr lange bis zum Mittagessen am 4-Kilometer-Schild dauern, denn aus irgendwelchen Gründen ging sie davon aus, dass der Weg dort in den anderen münden würde und dann nur noch zwei Kilometer bis zur Laban Rata-Schlafstation ausstünden, zwei Drittel des Weges also schon geschafft wären... Das 4-Kilometer-Schild tauchte auf, wurde begeistert und dankbar gestreichelt und verschwand hinter uns, doch die Einmündung des Weges war nirgendwo zu sehen... Dann, mithilfe der Karte, die Ernüchterung: noch zwei Kilometer bis zur Einmündung, das heißt, für heute war gerade einmal die Hälfte geschafft... Schlagartig änderte sich Ninas bis dahin ausgesprochen gute Laune für die nächsten circa 600 Meter in eine relativ schlechte, mit der Gewissheit, doch noch zwei Kilometer mehr bergauf wandern zu müssen als gedacht. Dann aber war immerhin nach einem weiteren sehr steilen jedoch recht kurzen Anstieg die Hütte für unser eingepacktes Mittagessen bestehend aus zwei Sandwiches und einem Ei endlich erreicht. :-) Die Aussicht zwischen all den Ästen und Zweigen auf diesem Anstieg war aber auch phantastisch, wir konnten uns fast gar nicht satt sehen und es fiel uns wirklich schwer zu glauben, dass wir tatsächlich schon so hoch waren. Stefan hatte unterwegs viele schöne Bilder von Pflanzen und der Aussicht gemacht, von denen wir uns nach dem Mittagessen schnell noch einige auf der Kamera anschauten.


Ninas gute Laune war wieder hergestellt und die kleinen Eichhörnchen taten ihr Übriges zum allseitigen Amüsement. Hier trafen wir auch zum ersten Mal eine aus Australiern, Engländern und Iren bestehende Gruppe: Alle waren deutlich älter als wir und schnell kamen wir ins Gespräch. Die Gruppe wurde gleich von zwei Guides begleitet, die beide hervorragend Englisch sprachen, was man von unserem sehr jungen Guide leider nicht behaupten konnte. So wurden wir schnell erst einmal alle unsere Fragen bezüglich des Weges los und erfuhren auch eine ganze Menge über die Porter (Träger), die uns immer wieder überholten oder eben vom Berg heruntergerannt kamen und seien ihre Lasten noch so schwer. Ein kleiner zwölfjähriger Junge zum Beispiel, der uns die meiste Zeit unserer Reise bis zur Nachtstation begleitete, trug gleich zwei schwere Rucksäcke auf seinen kleinen Schultern und sollte für Hin- und Rückweg zusammen gerade einmal 25€ bekommen. Irre, oder? Und sogar schon richtig alte Menschen trugen wahnsinnig schwere Lasten, nicht selten gleich bis zu drei große Rucksäcke oder schwere Gasflaschen oder andere, noch schwerere und noch unbequemer zu tragende Dinge... Irre, einfach nur verrückt... Und mit welcher Leichtigkeit sie den Berg wieder hinuntergesprungen kamen, das kannten wir bisher nur aus Dokumentationen über Bergziegen, wirklich beneidenswert...

Wir verabschiedeten uns von der Gruppe, die uns liebevoll "Team Germany" getauft und uns noch viel Glück gewünscht hatte und machten uns auf den Weg zur nächsten Hütte, in der wir sicherlich wieder eine kleine Pause einlegen würden. Zu unserer Überraschung ging es aber zunächst gar nicht bergauf, sondern nur ein kleines Stückchen, das uns auf eine Art Hubschrauberplattform brachte, jedenfalls sah die mit groben Kieselsteinen bedeckte, recht runde Plattform ganz so aus als sei sie eine. Von dort aus hatte man eine irre Aussicht über die umliegenden Berge, ins Tal und eben auch auf die Gipfel, die am Vortag noch so sehr weit entfernt und vor allem wahnsinnig hoch ausgesehen hatten... Jetzt aber sahen sie schon ein ganzes Stück niedriger aus! :-) Von der Plattform aus führte ein Weg auf einer ebenen Strecke über mehrere Meter hinweg geradewegs zum nächsten Anstieg. Auf der ebenen Strecke aber erwartete uns rechts und links eine einfach nur atemberaubende Aussicht und gleich hinter den hübschen Blumen, die den Weg zierten und sich sehr bereitwillig photographieren ließen, anders als die Eichhörnchen, da musste Stefan schon schnell sein, ein sehr steiler Abgrund. Ein irres und total belebendes Gefühl! Hier hatte man das erste Mal das Gefühl, dass sich der Aufstieg auf jeden Fall schon gelohnt hatte!!! Und irgendwie hatten wir beide das Bedürfnis, einfach laut zu jubeln...

Von da aus ging es dann aber auch, wie erwartet, wieder bergauf. Aber noch immer beflügelt von dieser wahnsinnigen Aussicht fiel uns der nächste Kilometer bis zur nächsten Hütte gar nicht 'mal soooo schwer. Leider verwandelte sich der Nieselregen dann aber zu einem ausgewachsenen Regen, der Stefan dazu veranlasste, die Kamera lieber in Sicherheit zu bringen und seien die Blümchen noch so schön... Der Regen hielt uns und "Team Australia, England and Ireland", das es ebenfalls zur Hütte geschafft hatte, eine Weile gefangen und als er endlich schwächer wurde, machten wir uns alle gemeinsam auf den Weg zur Wegeinmündung. Kurz vor der Einmündung kam noch einmal ein gerades Stück, auf dem man gaaaanz viele Kelchpflanzen ("pitcher plants"; fleischfressende Pflanzen) sehen konnte, die sehr interessant aussehen. Der Regen hatte fast ganz aufgehört und so traute sich Stefan auch, seine Kamera wieder herauszuholen, um die hübschen und absolut bizarr wirkenden Pflanzen abzulichten. Irgendwo auf dem Weg hat er auch eine Miniorchidee gefunden (insgesamt gibt es über 1000 verschiedene Orchideensorten im Park), die ihn mit ihrer Schönheit so sehr verzaubert hat, dass er sogar sein Makroobjektiv für sie angeschraubt hat! :-)

Dann kam die Einmündung, die uns darauf aufmerksam machte, dass wir endlich zwei Drittel des heutigen Weges geschafft hatten!!! :-) Das Schild wurde ganz besonders lieb empfangen, wo es doch schon zwei Kilometer vorher so sehr ersehnt worden war. ;-) Der eine Guide der anderen Gruppe machte uns aber wenig Hoffnungen, denn er sagte, dass sich die restlichen zwei Kilometer ewig anfühlen würden... Um so heftiger wurde jedes weitere Kilometerschild ersehnt und gefeiert, wenn es denn endlich auftauchte... Manchmal konnte man andere, vor uns laufende Gruppen jubeln hören und wusste dann ziemlich genau, dass es gar nicht mehr soooo weit sein konnte... Auch die nächsten beiden Hütten waren willkommene Freunde auf dem wirklich steilen Weg nach oben. Unseren eigenen Guide hatten wir irgendwo hinter uns verloren, aber die letzten 400 Meter war er wieder an Ninas Seite, die ein bisschen hinter der Gruppe zurückgefallen war und sich mit den letzten 200 besonders steilen und kniffligen Metern lieber Zeit ließ als sich jetzt noch den Fuß auf einem der glitschigen und hohen Steine zu verdrehen. Außerdem kam sie mit einer der Trägerinnen ins Gespräch, die ihr anfeuernd sagte, dass es nur noch 50 Meter seien und dass sie das genau wisse, denn sie kenne den Berg besser als irgendetwas sonst. Als sich Nina für diese erfreuliche Auskunft mit "terimakasi" (Malay für 'danke') bedankte, war die Frau ganz überrascht und ein paar Meter weiter den Berg hinauf war sie damit beschäftigt, auch noch die anderen paar malaysischen Worte aus Nina herauszuquetschen, die wir hier bereits gelernt hatten. Stefan war hingegen schon ein bisschen eher oben und hatte bereits das erste Timelapse gestartet, das irre sein muss, mit dieser Aussicht und den hübschen Wolkenformationen, die wir nun endlich von oben betrachten konnten.

Noch ein paar Meter auf das gelbe Haus zu und wir waren endlich angekommen: nach fast neun Stunden Aufstieg. Natürlich war das Haus schon voll: überall saßen Leute mit vollen Tellern, denn das Abendbrotbuffet war schon eröffnet worden. Wir hatten unheimliches Glück, denn erstens hatten wir eins der einzigen beiden Doppelzimmer bekommen (die anderen Gäste waren alle in Schlafsälen untergebracht), zweitens hatten wir ein eigenes Badezimmer nur für uns alleine (die anderen Gäste mussten die auf dem Flur nutzen und hatten mit Sicherheit keinen so coolen leuchtenden Duschkopf wie wir), drittens war unser Zimmer direkt im Restauranthaus (einige Gäste mussten noch ein Stück zu einem anderen Haus laufen), viertens war unser Duschwasser, warum auch immer, immer noch schön heiß (eigentlich gab es heiße Duschen nur von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr) und fünftens funktionierte die Heizung in der Nacht einwandfrei (da hatten die Holländer ja ganz andere Dinge berichtet)!!!! :-) Sind wir nicht absolute Glückspilze?! Irre, und die Aussicht erst!!!! Und das Buffet!!! Wahnsinn... Wir sind dann aber, genauso wie alle anderen auch, gleich um 19.00 Uhr ins Bett gegangen, denn der Wecker klingelte ja am nächsten Morgen schon um zwei Uhr nachts für den finalen Aufstieg zum Gipfel.

Nach einem kurzen, aber sehr reichhaltigen Frühstück vom Buffet machten wir uns, wie alle anderen auch, gegen halb drei an den zweiten Teil des Aufstiegs, der am Anfang, zu unserem Entsetzen, zum größten Teil nur aus steilen Holztreppen bestand... Schon bald zogen allerhand Leute an uns vorbei, während wir kurze Pausen machten, um Luft zu holen und unsere zu warmen Sachen in die Rucksäcke zu stopfen. Die Stirnlampen und Taschenlampen spendeten uns Licht und immer wieder hörten wir die uns vertrauten Stimmen des Teams "Australia, England and Ireland", wenn sie uns überholten oder wir sie. Das Klettern und Wandern im Dunkeln machte vor allem aber Nina sehr wenig Spaß und Stefan musste ganz schön viele kleine Pausen und ein recht stetiges Gemaule erdulden... Auch ihm machte das Klettern nur wenig Spaß im Dunklen, schließlich gab es nur sehr wenig zu sehen, geschweige denn zum Photographieren und trieb Nina zur Eile an, denn bald sollte die Sonne aufgehen... Bald waren aber hinter uns kaum noch Lampen zu sehen und als ein Nachzüglerguide kam, dachten wir schon, er sei jemand Offizielles und hatten schon kurzzeitig Angst, er würde uns den weiteren Aufstieg verbieten, weil wir zu langsam seien... Er entpuppte sich aber als normaler Guide und noch dazu als der Bruder unseres Guides. Puh, da waren wir aber erleichtert...

Langsam, aber stetig kraxelten wir also den Berg weiter hinauf und plötzlich gab es kaum noch Bäume um uns herum. Am oberen Ende eines weiteren, aber kurzen steilen Stückes sahen wir wieder einige Lichter vor uns und schöpften neuen Mut: so langsam waren wir gar nicht! :-) Mit neuer Motivation überwunden wir schnell den Anstieg und damit auch die letzten Sträucher am Wegesrand, die uns ohne Warnung an einem Felsmassiv ausspuckten. Wir hörten noch einen anderen Guide seiner ein wenig abseits stehenden Gruppe mahnend mitteilen, dass jetzt der gefährlichste Teil des Aufstiegs folge und schon packte unser Guide das Seil mit der einen Hand und machte Nina verständlich, sich auch daran festzuhalten. Dann ging's los: immer schön am Seil festhalten und ab und zu vorsichtig Leute überholen: wir verstanden die ganze Aufregung und Angespanntheit irgendwie gar nicht, das Stück machte doch unheimlich viel Spaß und verging noch dazu im Fluge, vor allem aber war dieses Klettern doch viel leichter und angenehmer als das ewige Emporsteigen von Treppen oder großen Steinen!! Uns jedenfalls machte der Teil riesig Spaß und als der Guide uns zu verstehen gab, dass da oben der Checkpoint liege (Ninas heimliches Etappenziel und Möglichkeit, auf Stefan zu warten, falls sie nicht mehr weitergekonnt hätte) kletterte sich das Stück noch einmal viel leichter als schon zuvor.

Am Checkpoint mussten wir unsere Kletterpässe zeigen, die wir immer um den Hals tragen mussten, und machten eine ganze Weile lang Pause. Puh, so durchgeschwitzt merkten wir erst einmal wieder, wie kalt es eigentlich war, wenn man sich nicht bewegte... Vom Checkpoint aus waren es jedenfalls noch einmal fast zwei Kilometer bis zum Gipfel, doch aufgrund der Kälte kam uns die Bewegung nach der Pause zunächst wie gerufen. Wie sich herausstellte, führte ein Großteil dieser zwei Kilometer über ein stetig ansteigendes Plateau, das man zwar gehend überwinden konnte, doch war auch das erstaunlich anstrengend. Am unteren Fuße des Plateaus machte Stefan ein paar Fotos von der gerade erscheinenden Morgenröte und Nina nutzte die Gelegenheit, um sich kurz auszuruhen. Da dachte ein Guide einer anderen Frau, er müsse eine Diskussion mit Nina anfangen, ob sie wohl denke, sie könne es bis zum Gipfel schaffen, denn ansonsten könne sie ja auch hier schon umkehren... Das hat Nina ganz schön verunsichert, denn zusammen mit einem ein bisschen drängelnden Stefan war sie sich jetzt gar nicht mehr so sicher, ob sie's schaffen würde, zumal uns unterwegs schon einige Leute begegnet waren, die aufgegeben hatten... Nina dachte sich aber: "Ey, Typ, was hast du denn mit mir zu tun, kümmere dich doch lieber 'mal um dein eigenes Mädchen, das da hinter dir den Berg hinaufgeschnaubt kommt, und lass' mich in Ruhe, klar?! Wenn ich's schaffe, dann schaff' ich's und bis dahinten zum Schild, das bestimmt die acht Kilometer markiert, schaff' ich's alle Male, ich will das Ding schließlich streicheln und den Gipfel soll man von da aus auch sehen können, also lass' mich 'mal in Ruhe machen!" und lief einfach weiter. Zugegeben: ein bisschen angepisst und angestachelt und auch ein bisschen motivierter, weil sie jetzt endlich das Schild mit seinem extragroßen Dach am Ende des Plateaus erkennen konnte (es wurde nämlich bereits allmählich hell) lief es sich noch einmal besser als zuvor... Auf dem Weg zum Schild haben wir ein paar Male gestoppt und uns umgedreht, denn die Aussicht war einfach atemberaubend schön!

Am 8-Kilometer-Schild angekommen konnte man tatsächlich den Gipfel sehen! Und das beste war, dass das Plateau, das zwischen dem 8-Kilometer-Schild und dem Gipfel lag, gar nicht mehr bergauf ging, so empfanden das zumindest unsere Augen und unsere Beine gehorchten. Ninas nächstes Ziel war es zumindest, die Steinansammlung, die den Gipfel formt, zu berühren. Auf dem Weg dorthin leuchteten die beiden zu sehenden Gipfel urplötzlich für eine kurze Zeit golden auf und boten uns einen phantastischen Anblick! Eine kurze Müsliriegelpause auf halber Strecke und schon kletterten wir den Steinberg hinauf, der von näher d'ran betrachtet gar nicht 'mal mehr soooo steil und unüberwindbar wirkte. Im Gegenteil, das Klettern und Überwinden dieser Steine und der kleinen Schluchten war wieder ganz nach unserem Geschmack und so krabbelten und kletterten wir einfach weiter, bis es nicht mehr höher ging: Wir hatten es geschafft! :-) Beide! :-) 4095 Meter hoch!!! :-)

Am Gipfel angekommen wusste Nina zuerst gar nicht, ob sie lachen oder weinen sollte, so viele Gefühle gleichzeitig durchfluteten ihren Körper. Die drei Singapurianerinnen, die wie Stefan ebenfalls auf dem Gipfel saßen, begrüßten sie lächelnd und mit einem "congratulations", was sie noch glücklicher machte, schließlich hatte sie das Gefühl, wirklich etwas Beglückwünschungswürdiges geschafft zu haben! Und noch immer war ihr zum Weinen und Lachen gleichzeitig zu Mute... Wow, waren wir beide glücklich: wirklich ein unbeschreibliches Gefühl. Die Anspannung und Ungewissheit, die plötzlich von uns fiel, war förmlich spürbar. Beide waren wir ausgelassen und völlig von Glück durchströmt. Stefan machte schnell ein paar Fotos von uns beiden auf dem Gipfel und dann machten wir uns langsam an den Abstieg, vorbei an denjenigen, die den Gipfel noch nach uns besteigen wollten. Die Luft da oben war übrigens wirklich merklich dünner, das spürten wir vor allem an diesem trockenen Husten, den der eine Guide der anderen Gruppe am Vortag bei sich selbst und dem Engländer noch mit Sauerstoffmangel erklärt hatte.

Der Abstieg selbst zur Laban Rata-Station über das Plateau und die vielen steilen Holz- und hohen Steinstufen war sehr mühselig und wurde nur davon unterbrochen, dass Stefan einmal nieste, wodurch sich Nina so erschreckte, dass sie auf den Hintern fiel und auf diesem das Plateau gleich ein ganzes Stückchen hinunterrutschte, bis der Guide ihr schließlich lachend aufhalf... ;-) Die Aussicht auf das Tal vor uns war aber noch immer atemberaubend und versüßte den mühseligen Abstieg wenigstens ein bisschen.

Zurück am Checkpoint zeigte uns der Wächter die Zertifikate, die wir kaufen könnten, wenn wir denn wollten. Und wir wollten, vor allem Nina, die diese Zertifikate ja schon verfolgten, seitdem wir Sabah betreten hatten: sie schienen einfach überall zu hängen und sie stetig daran erinnern zu wollen, dass sie es bis zum Gipfel schaffen musste, um eins in Farbe zu bekommen, nicht nur ein langweiliges Ding in schwarz/ weiß... ;-) Wir durften aber sogar jeder zwei verschiedene bunte Zertifikate kaufen, denn wir hatten Mount Kinabalu ja schließlich über die Mesilau-Route bestiegen! :-) Oh, da waren wir aber überrascht und gleich doppelt stolz, es tatsächlich bis zum Gipfel geschafft zu haben!!!

Zurück an den Seilen verstanden wir dann auch endlich sehr genau, warum da ein paar Stunden zuvor so eine Aufregung geherrscht hatte: wir waren an einem steilen, fast komplett senkrechten Steinmassiv emporgeklettert, ungesichert, nur mit einem in regelmäßigen Abständen am Massiv befestigten Seil zwischen den Händen, die aufgrund der Kälte heute Morgen auch noch behandschuht und damit weniger beweglich gewesen waren... Irre... Und noch irrer war, mit dieser Aussicht vom Abgrund wieder hinunterklettern zu müssen... Huh, da wurde uns an manchen Stellen doch gleich ein bisschen anders...

Aber: wir haben's lebend zurück zur Laban Rata-Station und das dort wartende Frühstücksbuffet geschafft und wurden von Team "Australia, England and Ireland" auch gebührend empfangen! :-) Der ältere Australier ist sogar aufgestanden und hat uns mit Handschlag begrüßt und gratuliert! Und es ging gleich so weiter: auf dem Weg die Treppe hoch zu unserem Zimmer kamen Nina noch ein paar Leute entgegen, die einfach nur fragten, ob sie's bis zum Gipfel geschafft habe und ihr gratulierten, als sie bejahte! Wahnsinn... :-)

Nach dem Frühstück und dem Auschecken aus unserem wunderschönen Raum mit sowohl Schmerz- und Knietabletten, als auch Voltarengel gedopt (wir hatten unsere Knie schon auf dem vergleichsweise kurzen Rückweg am Morgen deutlich gespürt), machten wir uns auf den Rückweg. Die ersten zwei Kilometer bis zur Einmündung des Mesilauwegs waren definitiv die Schlimmsten und Steilsten, danach wurde der Weg (man nimmt immer die Kinabalu Park-Route, beim Abstieg) immer schöner und es gab auch einige fast ebene Teilstücke. Dank des Dopings spürten wir unsere Knie so gut wie überhaupt nicht, anders als die andere deutsche Referendarin, die wir mit ihrem Freund zusammen auf dem Weg hinunter kennenlernten: Sie hatte wirklich richtig heftige Schmerzen und tat uns wahnsinnig leid, denn wir wussten ja, wie sehr Knie schmerzen können...

Wir verabredeten, unten unsere Zertifikate zu kaufen und auf die beiden zu warten, sodass wir gemeinsam ein Taxi zurück nach Kota Kinabalu nehmen könnten, was wir dann auch taten. Leider ging es der Referendarin auf der Fahrt aber zusehends schlechter und einmal mussten wir sogar anhalten, weil sie sich übergeben musste, genauso wie es schon bei der Holländerin abends nach unserem Pizzaessen der Fall gewesen war, was Nina ein bisschen Angst machte...

Uns ging es aber den Abend und auch den nächsten Tag über sehr gut, bis auf den Muskelkater natürlich, der leider besonders kräftig war... Jede Bordsteinkante wurde quasi zu einem kleinen Hindernis für uns, das wir versuchten, so gut wie es eben ging, zu vermeiden... Oh, ach ja: und gerade dann ist natürlich nur ein Plumpsklo im Einkaufscenter frei, so eins, über das man sich tief hinhocken muss... Na ja, immerhin war ein Griff an der Wand angebracht... Wahnsinn... Aber wie schon auf dem Berg: das Aufstehen war mit Schmerzen verbunden und ebenso die ersten Schritte, sobald man sich aber warmgelaufen hatte, ging's sehr gut und man spürte den Muskelkater fast gar nicht mehr... Immerhin erinnerte er uns ja auch daran, dass wir es tatsächlich geschafft hatten: bis auf den Gipfel, ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das uns keiner mehr nehmen kann! :-)


Liebe Grüße von euren Gipfelstürmern
Stefan und Nina

Würden wir es noch 'mal wagen? Nein! Aber warum auch: wir waren ja schon 'mal oben. :-) 






























































































































































































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Kommentare:

  1. Nachdem ich mir nun die Tränen vom lachen aus den Augen gewischt habe (aufgrund des beschriebenen), muss ich euch sagen, ich bin mega, mega stolz auf euch und habe auf der Couch mit euch mitgefiebert und die Knieschmerzen gut nachempfinden können. Wir wünschen euch noch ein paar schöne Tage, passt weiterhin gut auf euch auf und wir freuen uns auf eure Rückkehr ;)

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  2. LG vom Schwesterlein/ der Schwägerin ;)

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